SZ vom 12.02.2010
Pilotprojekt mit Fragezeichen
Rinsdorf Verkehrsminister zu Gast bei Lärmschutzinitiative/Spritzschutzelemente angekündigt
Im dritten Quartal des Jahres werden die Fertigelemente im Geländer der Talbrücke montiert.
dima Die Rinsdorfer Talbrücke zeigte sich gestern Vormittag von ihrer Schokoladenseite. Just zum Besuch des Ministers für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Lutz Lienenkämper (CDU), war kaum eines der Klackgeräusche, die den Rinsdorfer Bürgern seit Jahrzehnten Tag für Tag auf die Gehörnerven gehen, zu hören. Wie Egon Dreisbach, Ortsvorsteher von Obersdorf und stellvertretender Bürgermeister Wilnsdorfs, erklärte, lag das an den schallschluckenden Eigenschaften des Schnees. Den Schall schlucken sollen auch die lärmabsorbierenden Elemente, die Lutz Lienenkämper zumindest verbal für die Rinsdorfer im Gepäck hatte.
Anschauen konnten sich die Vertreter der Wilnsdorfer Lärmschutzinitiative gestern noch keines der Elemente. So mussten sie auf die Worte des Minister vertrauen, der für das dritte Quartal des Jahres den Einbau der gut einen Meter hohen, mit Mineralwolle gefüllten, Bauteile versprach. In beiden Fahrtrichtungen sollen die Platten in Geländerausfachungen montiert werden und den Schall schlucken. Dabei handele es sich um ein „Pilotprojekt“, auf ihre schallschluckenden Eigenschaften seien die Elemente bisher nämlich noch nicht getestet worden. Eine Erfolgsgarantie konnte der Minister deshalb nicht geben. Das Ganze müsse erprobt werden. Als Mitglied im „Club der klaren Ansprache“ wollte Lutz Lienenkämper keine falschen Hoffnungen machen. Eine gesetzliche Verpflichtung zu Lärmschutzmaßnahmen seitens der Bundesregierung bestehe nach wie vor nicht. Maßgebend seien die errechneten Grenzwerte. Und die liegen, wie die SZ bereits mehrfach berichtete, unter der gesetzlich relevanten Grenze. Ihre Ohren spitzten die Aktiven der Lärmschutzinitiative allerdings als Lienenkämper erklärte, dass sich das Parlament schon bald mit einer Herabsetzung der Lärmschutzgrenze um drei Dezibel befassen werde. Anschließend müsste eine neue Prioritätenliste der Lärmschutzmaßnahmen erstellt werde. Wie Fachbereichsleiter Josef Nordmann im Gespräch mit der SZ erklärte, bedeutet diese geringfügige Änderung für Wilnsdorf jedoch keine neue Chance.
Mehr Details zu den Lärmschutzelementen konnte Egon Dreisbach präsentieren. Nachdem bereits der Bundestagsabgeordnete Willi Brase (SPD) die Baumaßnahme im vergangenen Wahlherbst angekündigt hatte, recherchierte der Lärmschützer erfolgreich an der Uni Siegen. Bei den Platten handele es sich um „Spritzschutzelemente“, die eigentlich nur verhindern sollen, dass Wasser von der Brücke ins Tal spritzt. Installiert worden seien die Bauteile bereits an der Autobahnbrücke in Rüblinghausen. Hier sei man mit dem Lärmschutz-Effekt bisher jedoch nicht zufrieden, so Dreisbach. Die Experten der Uni Siegen hätten erklärt, dass es zwei Möglichkeiten gebe. Falls der Schall von den Elementen nach unten abgelenkt werde, habe man Glück. Dann absorbiere die Fahrbahn die Klackgeräusche. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass der Lärm nach oben reflektiert werde. Dreisbach schilderte dem Minister, der ebenfalls mit angereisten Landtagsabgeordneten Monika Brunert-Jetter (CDU) sowie Wilnsdorfs Bürgermeisterin Christa Schuppler, die zum ersten Mal die Lärmschutzinitiative besuchte, den dornenreichen Weg seit der Gründung der Lärmschutzinitiative. Egon Dreisbach berichtete von Gesprächen, Ortsterminen und Wanderungen mit Ministern und Staatssekretären und von Versprechen, die überwiegend gebrochen worden wären: „Aber es hat nichts genützt.“ Den Besuch des Ministers und die angekündigten Baumaßnahmen verbuchte Dreisbach jedoch als Erfolg der Initiative. „Jetzt bekommen wir Lärmschutz.“ Gleichzeitig betonte er in Richtung Lienenkämper, dass die Lärmschutzinitiative noch lange nicht Ruhe gebe. Nach einer Pause werde man jetzt wieder aktiv, schließlich müsse weiter für Lärmschutzwände und -wälle entlang der A 45 gekämpft werden. „Herr Minister, wir kennen ihre Adresse.“
Josef Nordmann nutzte die Gelegenheit, um noch einmal für eine Kooperation zwischen Land und Kommune in Sachen Lärmschutz zu werben. Bei der Planung der notwendigen Lärmschutzwälle und -wände sei die Gemeinde auf Hilfe der Fachbehörden angewiesen. Dann könne man im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten selbst aktiv werden.
Siegerlandkurier 14.02.2010
Geht´s ein wenig leiser?
Teilerfolg für die Bürgerinitiative "Lärmschutz A45": NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper versprach den Rinsdorfer Bürgern, mit Hilfe eines Pilotprojektes den Lärm der Autobahnbrücke Rinsdorf zu mindern. Zweifel an der Effektivität der Maßnahme sind erlaubt.
Denn als Lärmschlucker sind die Bauelemente, die im Herbst an den Geländern der Brücke angebracht werden sollen, bislang erst einmal eingesetzt worden. In Rübenscheid, so teilte es Egon Dreisbach als Sprecher der Initiative beim Ortstermin mit, sei man aber nicht zufrieden mit den Resultaten. Dort geht es um allgemeine Geräusche des Kfz-Verkehrs. In Rinsdorf handelt es sich allerdings um einen einmaligen Sonderfall.
Denn die besondere Brückenkonstruktion, die seinerzeit in China erdacht worden war, ist weltweit nur dreimal zum Einsatz gekommen. Das Alleinstellungsmerkmal sind die zehn verbauten Dehnungsfugen, die für ein lautes "Klack" bei der Überfahrt sorgen. Und genau jenes Geräusch zieht täglich hunderttausendfach ins Tal. Mit dem Problem sind die Rinsdorfer mittlerweile alleine auf der Welt. Zwei der drei damals gebauten Brücken sind inzwischen abgerissen.
In welche Richtung geht der Lärm?
Nun sollen also Ausfachungen die Erlösung bringen. Die Geländerkonstruktionen sind mit Mineralwolle gefüllt und dienen eigentlich als Spritzschutz. In Rinsdorf sollen sie den Lärm umlenken. Im besten Fall geschieht dies nach oben. Dies würde die Lärmbelastung für die Bewohner im Tal lindern. Geht das ständige "Klack-Klack-Klack" allerdings durch den Trichter nach unten, bleibt es bei dem alten Problem. Immerhin — und das muss man dem Nachfolger Oliver Wittkes als Minister lassen — passiert nun überhaupt etwas.
"Seit Jahren werden wir immer vertröstet oder bekommen leere Versprechungen", ist Egon Dreisbach froh, dass nun Bewegung in die Sache gekommen ist. Zu verdanken ist dies der 2007 gegründeten, überparteilichen Initiative. "Sie ist hervorragend organisiert. Die geleistete Arbeit ist mustergültig", findet Lutz Lienenkämper.
Er stellte über die konkrete Maßnahme im Herbst hinaus eine Neubewertung der Lärmbelästigung in Aussicht. Denn die Bundesregierung erwägt, die Emissionsgrenzen um einige Dezibel zu senken. Dies könnte auch zu einem verpflichtenden Lärmschutz für die A45 im Bereich Wilnsdorf führen. Der Minister: "Allerdings müssen dann die kompletten 123 Kilometer ,Sauerlandlinie' betrachtet werden, nicht nur Wilnsdorf." Auch ein sechs-spuriger Ausbau des Teilstücks würde einen Lärmschutz unabdingbar machen.
Dreisbach kündigte stellvertretend für die Bürgerinitiative an, weiter für einen Lärmschutz entlang der Autobahn zu kämpfen. "Herr Minister, wir kennen Ihre Adresse."
